Geschichte

Die Johann-Froescheis Lyra Bleistift Fabrik GmbH & Co. KG, wie sie heute heißt, ist Nürnbergs älteste Bleistiftfabrik.

Der Grundstein wurde 1806 von dem Bleistiftmacher Johann Froescheis gelegt, der einen in Nürnberg angesiedelten Handwerksbetrieb übernahm, und dort mit der Produktion von Bleistiften begann. Das Geschäft wurde etwa 40 Jahre lang in den bescheidensten Grenzen geführt und bewegte sich lediglich im Rahmen einer handwerksmäßigen Werkstätte. Als Johanns Sohn, Georg Andreas Froescheis, den Betrieb 1848 übernimmt, führt dieser die Massenproduktion von Bleistiften ein. Um der gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden, zieht Lyra 1860 in die Großweidenmühle, wo unter Ausnützung der Wasserkraft die maschinengestützte Fertigung beginnt.

1868 wird das LYRA Zeichen als Warenzeichen eingetragen, etwas EINMALIGES für die damalige Branche. Die LYRA stellt das Musikinstrument des klassischen Altertums dar, mit der sich Künstler in dieser Zeit bei ihrem Gesang begleiten ließen. Wir wissen heute nicht warum gerade dieses Instrument ausgewählt wurde, jedoch wird vermutet, dass man die hohe Qualität der LYRA – Produkte mit den Eigenschaften der Harfe verband (hochwertiges Instrument).

Das Jahr 1878 bezeichnet einen bedeutsamen Wendepunkt. Andreas Froescheis schied aus der Leitung der Farbrik aus und an seine Stelle trat Karl Grasser. Mit ihm begann der eigentliche Aufschwung der Lyra-Bleistiftfabrik. Die praktischen Erfahrungen von Friedrich Froescheis und das kaufmännische Talent von Karl Grasser führen die Lyra Bleistiftfabrik zu neuen Märkten – Reisende wurden ausgesandt um das Geschäft und die Bedürfnisse fremder Länder zu studieren und neue Handelsbeziehungen zu knüpfen.

Der Lyra Orlow Stift stellt 1885 das Spitzenprodukt der Firma dar. Neben Kreiden, Drehstiften, Federhaltern und Füllfederhaltern erscheint der Lyra Orlow Stift zusammen mit den Lyrato-Stiften auf allen einschlägigen Messen im Ausland. LYRA Orlow: der höchste Triumph der dt. Bleistiftindustrie: Graphit-Zeichenstifte verschiedenster Formen und Ausführungen in 16 Härtegraden.

Der erste Einhand-Druckstift (Klimax – Taschenstift) kam aus den Lyra-Bleistiftwerken in Nürnberg. Was heute als Selbstverständlichkeit gilt, war damals eine Sensation. Durch seine epochemachende Konstruktion in der Vereinigung des Druck- und Drehstiftsystems war der Klimax der erste und einzige Taschenstift, der mit einer Hand gebrauchsfertig gemacht werden konnte. Er wurde in für damalige Zeit geradezu unfassbaren Mengen hergestellt und im In- und Ausland abgesetzt, nachdem schon vorher das Patent darauf erworben worden war. Die Produktion konnte kaum folgen, der Klimax ging in alle Welt.

LYRA Orlow Copierstifte fanden zu der Zeit großen Anklang, weil sie in den Büros viel Arbeit sparten. Mit ihnen mussten Rechnungen und Briefe nicht mehrfach geschrieben werden. Dazu schrieb man mit dem „Copierstift“, auf das Blatt legte man ein weiteres, angefeuchtetes Blatt und erhielt – voilà – eine Kopie. Der Abdruck galt als dokumentenecht, der Stift wurde daher vor allem auch gern für Unterschriften verwendet. Schon damals hatte man sein Sortiment auch auf den Industrie-Bereich ausgeweitet und führte Graphitkreiden, Försterstifte, Signierkreide, Schieferstifte im Sortiment. Der bis heute wohl bekannteste Zimmermannstift 333 trug diesen Namen bereits in einem Katalog aus dem Jahre 1909. Und auch die Künstler kamen schon auf ihre Kosten. Für sie wurden Ölkreidenstifte in 60 verschiedenen Farben unter dem bis heute bekannten Namen Polycolor angeboten.

Das liest sich heute alles leicht verständlich, aber für seine Zeit war Johannes Grasser ein Pionier, wenn er systematisch darauf ausging, dem Export für Bleistifte die bahnbrechende Rolle zuzuweisen, die er heute spielt. 9 Goldmedaillen wurden für außergewöhnliche Produktionsleistungen auf dem Weg des Unternehmens von den kleinsten Anfängen bis zum anerkannten Großbetrieb vergeben.

Um 1900 arbeiten 500 Beschäftigte in der Fima, die jährlich 53 Millionen Stifte und Federhalter herstellte. Die Anzahl der Markeneinträge war zu diesem Zeitpunkt auf insgesamt sieben gestiegen. Darunter Zeichen bzw. Namen wie „Cleopatra“, „Taube“ oder „Gigerl“. Letzteres war damals das, was man heute unter „Snob“ versteht.

In dieser aufsteigenden Linie hätte das Werk fortgeführt werden können, aber da brachten der erste Weltkrieg und die ihm folgende Inflation einen bedeutenden Einschnitt. Jedoch wurden die Folgen überwunden, die Marke Lyra machte im In- und Ausland ihren Weg; in Italien konnte sogar 1932 eine Bleistiftfabrik als Tochterunternehmen eröffnet werden. Dadurch wurde der Firma eine Art Monopolstellung für das italienische Land gesichert. Entsprechend waren die Fortschritte in Deutschland.

Doch im zweiten Weltkrieg versanken nach vielen Bombenangriffen auf die Stadt Nürnberg auch das Werk und die Verwaltungsgebäude der Lyra-Bleistiftfabrik in Schutt und Asche. Am Ende der Vernichtung war der größte Teil der Maschinen unbrauchbar. Das Werk von sechs Generationen zu 85% zerstört. Doch Dr. Koerper, tatkräftig unterstützt von seinem Sohn, ließ sich nicht entmutigen. Viele alte, bewährte Mitarbeiter fanden sich ein, und ein Arbeitsplatz nach dem anderen wurde neu geschaffen. Der alte Ruf wurde schnell neu gefestigt und 11 Jahre nach dem Chaos erscheinen wieder auf allen Märkten des In- und Auslandes Bleistifte und die vielfältigen Erzeugnisse aus dem umfangreichen Sortiment der Lyra-Bleistiftfabrik.

1956 feierte die Lyra, damals noch Lyra-Orlow Bleistiftfabrik ihr 150 jähriges Bestehen. Zum Kernsortiment gehörten zu dieser Zeit Graphitstifte, Kopierstifte, Farbstifte, Spezialstifte, Reklamestifte, Klemmstifte für Techniker und Künstler, Druck- und Drehstifte, Füllhalter, Kugelschreiber, Kreiden, Signier- und Fettkreiden und erstmals auch ein kleines Sortiment von Kosmetikstiften. Wie 80 Jahre zuvor, wurde das Spitzensortiment mit dem geschützten Namen Orlow gekennzeichnet. Dieses Warenzeichen ist von dem hochwertigsten und reinsten Diamanten des ehemaligen russischen Kronschatzes hergeleitet. Die doppelte symbolische Bedeutung weist einerseits auf die Hochwertigkeit des Spitzenproduktes der Firma hin, andererseits soll sie die Tatsache zum Ausdruck bringen, dass Diamant und eines der Hauptrohprodukte der Bleistiftfabrikation, der Graphit, als Kohlenstoffe chemisch identisch sind. Das Sortiment für Verbraucher mit hohen Ansprüchen wurde unter dem Namen LYRATO bekannt.

Von 1960 bis zu den frühen 1980iger Jahren war das Sortiment, neben den Stiften, stark am Technischen Zeichnen ausgerichtet.

Um gegen die starken Wettbewerber am europäischen Markt bestehen zu können war eine Neuordnung des Sortiments nötig. Die 1980iger läuteten die Zeit der Innovationen ein. Mitte der 1980iger Jahre wurden die ersten unlackierten Stifte vermarktet, die wenige Jahre später unter dem Namen Pro Natura bekannt wurden. Damit trug LYRA dem gestiegenen Umweltschutzgedanken Rechnung. Der Erfolg, vor allem in Deutschland war enorm. Lyra erzielte damit ein Alleinstellungsmerkmal im Markt. Wenig später eroberte der Farb-Riese die Kindergärten. Ein dicker Sechskantstift, der besonders gut für Kleinkinder geeignet war.

1987 verließ die LYRA ihren Gründungsstandort in der Nürnberger Innenstadt und errichtete in der Nähe des Südwestparks ein neues Werk mit ebenerdiger Produktion, modernsten Maschinen und einem Verwaltungsgebäude. Und damit nicht genug – weitere Standorte wurden gegründet: 1991 Lyra UK. 1992 wurde ein zweites Werk in Geußnitz/Zeitz (Deutschland) in Betrieb genommen. Im Jahr 2000 wurden Tochtergesellschaften in Singapur, Indonesien und Schweden gegründet.

1996 gelingt Lyra mit der Erfindung des dreiflächigen Stiftes ein bahnbrechender Erfolg: Mit den Marken Ferby und Super Ferby legt Lyra den Grundstein für die bis heute beliebteste und meistverkaufte Stiftform in Deutschland.
2008 wird dieser Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes vertieft. Die beliebten dreiflächigen Stifte erhalten Vertiefungen. Die Familie „Groove“ wird auf den Markt gebracht. Alle Stifte dieser Marke haben ergonomisch angeordnete Griffmulden, sogenannte Grooves, welche zur richtigen Positionierung der Finger dienen.

Seit 2008 gehört LYRA nun zum italienischen Konzern FILA Fabbrica Italiana Lapis ed Affini S.p.A. (FILA). Als international breit aufgestellte Gruppe nutzen die Unternehmen Synergien in Herstellung und Vertrieb.
Das Produktprogramm, die Märkte und die Unternehmensphilosophie beider Firmen ergänzen sich hervorragend. Weltweit profitieren die Kunden von einem umfassenderen Produktangebot und wettbewerbsfähigen Preisen. Heute werden unter dem Leitsatz „Qualität aus Tradition und Innovation aus Überzeugung“ in Nürnberg auf über 6400 Quadratmetern Produktionsfläche über 14 mio holzgefasste Stifte jährlich produziert und in alle Welt exportiert. Insgesamt hat die LYRA in Nürnberg circa 100 Mitarbeiter. Die Kernkompetenz der LYRA liegt in der Produktion und dem Vertrieb von holzgefassten Schreibgeräten. Des Weiteren werden Artikel aus dem Bereich Büro, Basteln und Hobby, sowie Industrieprodukte vertrieben.